Willkommen
Herzlich willkommen auf meiner Website als Autorin des autofiktionalen, philosophischen Romans »Jenseits der Wand«! Auf dieser Seite möchte ich Ihnen ein wenig von meinem Buch, dem Schaffensprozess und meinem Verständnis von Lyrik erzählen.
Klappentext
Die Sucht der Mutter und materieller Wohlstand prägen Kindheit und Jugend der Erzählerin. Als die Mutter an den Folgen ihrer Sucht stirbt, begibt sich die Erzählerin auf die Suche. In der Rückschau spürt sie der Atmosphäre nach, in der sie aufgewachsen ist und wagt sich hinter der dissoziativen Wand von empfundener Ablehnung und Ohnmacht hervor. Sie beginnt, philosophische Fragen an ihr Leben zu stellen und enttarnt auf diese Weise allmählich das Zusammenwirken von Sucht, dem Schweigen der Anderen und der eigenen Scham.
»Die Sucht meiner Mutter verschwand unter dem Mantel des Wohlstands, sie lag dort still und unauffällig, sorgfältig abgeschirmt von der Außenwelt. Wo das Leben augenscheinlich gelingt, dort vermutet niemand einen Abgrund.«
Flyer zum Buch
Rezension
»Das Werk von Schickentanz ist vielschichtig, verstörend. Es ist zum einen in seinen Erzählungen anrührend, neugierig, trotzig, humorvoll, sinnlich und eigensinnig. Es lädt zu zwischen-menschlicher Nähe und Mitgefühl ein und löst Sympathie für die namenlose Protagonistin aus. Man kann gar nicht anders, als sie ins Herz schließen.
Zum anderen ist der Text in seinen Reflexionen schonungslos, fordernd, kritisch und aufdeckend. Die Schreiberin schubst den Leser weg und hält ihm einen Spiegel seiner Verstricktheit und Verruchtheit vor. Das Buch kann nicht konsumiert werden, es widersetzt sich dem; es will entschlüsselt und durchdrungen werden. Die Tiefe der Erzählung und des Selbstfindungsprozesses kann durch den Leser nur erfahren werden, wenn er sich auf einen eigenen, ehrlichen, dialektischen Prozess einlässt.
›Jenseits der Wand‹ zu lesen, ist nicht leicht, doch lohnenswert, bereichernd und tröstlich.«
Jens Flassbeck, Psychotherapeut & Autor
Aus dem Kapitel »Bebilderte Scham«
Die empfundene Scham des Alkoholikers ist eine der Ursachen für die Sucht, ganz sicher ist sie eine Folge. Das Schweigen meiner Mutter, es war gleichgültig, beschämt und in der Folge beschämend. Meine Scham ist die Scham über eine Mutter, die getrunken hat. Die so viel und über einen so langen Zeitraum getrunken hat, dass sie daran gestorben ist.
Meine Mutter hat mich mit meiner eigenen Scham zurückgelassen, Ella. Ich kann nun wählen, ob ich schweige oder spreche.
Die Antworten auf Ellas Fragen sind einfach und schwierig zugleich. Sie sind einfach, weil es Erklärungen gibt, Herleitungen, Einordnungen. Sie sind schwierig, weil die Antworten schmerzen, weil der Schmerz unsichtbar ist. An dieser Stelle droht meine Sprache zu versagen, da das Unsichtbare zwar potentiell sagbar ist, es jedoch für immer verborgen bleibt, sofern ich schweige. Noch perfider verhält es sich mit dem Sichtbaren - es umgibt mich, mitunter schon immer, jedoch ist es nicht automatisch sagbar. Damit es sagbar wird, braucht es jemanden, der die Wand öffnet, der dem Sichtbaren erlaubt, sich zu zeigen.
Ich lese vor und Lisa Türk improvisiert am Schlagzeug - ein kreativer Lesungs-Nachmittag bei »Sonntags in der Bibliothek« in Minden
Text & Musik
Hinweis: Die Veranstaltung wurde witterungsbedingt kurzfristig abgesagt und soll später im Jahr neu terminiert werden.
Aus der Ankündigung:
Am Sonntag, den 28. Juni erwartet Besucher*innen bei „Sonntags in der Bibliothek" ein kreativer Lesungs-Nachmittag mit Text und Musik.
Wie fühlt es sich an, wenn man als Kind in einer Suchtfamilie aufwächst? Wie geht man damit um, wenn es niemanden in der Familie gibt, der Zuwendung, Halt und Trost gibt? Wenn ein Elternteil trinkt, sind Scham und Schweigen alltäglich. Kinder aus Suchtfamilien leben hinter einer unsichtbaren Wand der Beschämung und Sprachlosigkeit.
Annabelle Schickentanz und Lisa Türk lassen Worte und Musik sprechen, damit die Gefühle hinter der Wand hervortreten können und spürbar werden. »Jenseits der Wand« lautet der Titel des von Annabelle Schickentanz veröffentlichten autofiktionalen Romans über eine Kindheit in einer Suchtfamilie. Annabelle wird an diesem Nachmittag einige Kapitel aus ihrem Buch vortragen, Lisa wird nach jedem Kapitel auf dem Schlagzeug improvisieren, um die Atmosphäre des Gelesenen erfahrbar zu machen.
Es erwartet Sie ein besonderer künstlerischer Nachmittag – da Lisa auf dem Schlagzeug improvisiert, ist jede musikalische Lesung einzigartig.
Termin: Sonntag, 28.06.2026, um 15:00 Uhr
Ort: Stadtbibliothek Minden, Königswall 99, 32423 Minden, Telefon 0571 83791-21
Anmeldung erwünscht an stadtbibliothek(a)minden.de
Gemeinsame Lesung von Sonja Schindler und mir in Bielefeld
Worte tanzen mit den inneren Farben
Wir danken Karin und Klaus Reinhold für die Einladung, dass wir in ihrem wunderbaren Haus im Grünen von Bielefeld-Brake eine Lesung durchführen konnten. Ungefähr 25 Personen folgten der Einladung. Sonja Schindler trug einige Kapitel aus ihrem noch unveröffentlichten Roman »Schreiende Stille« vor, ich las aus meinem autofiktionalen Buch »Jenseits der Wand«.
Die ZuhörerInnen waren Teil einer gemeinsamen Reise durch düstere, aber ebenso hoffnungsvolle Gefühlswelten (Faltblatt Lesung). Aus der Ankündigung:
Sonja Schindler: Bielefelder Autorin, die aus ihrem Debütroman »Schreiende Stille« liest. Ein phantastischer Konfrontationskurs mit den unangenehmen Gefühlen in uns. Zitat: Tief in mir entsteht ein Schrei. Ohrenbetäubend lautlos, den ich in dieses unendliche Universum unserer gemeinsamen Gefühle schreie, ohne dass ihn je jemand hören wird.
Annabelle Schickentanz: Lebt in einer Kleinstadt im Ruhrgebiet. Ihr philosophischer Roman »Jenseits der Wand« hinterfragt die Kollusion von Sucht, Scham und Schweigen. Zitat: Sie trinken, damit die Scham aus ihren Körpern kriecht, durch die feinsten Poren, damit die Schuld verdunstet, gemeinsam mit dem vergifteten Schweiß, während sie sich glauben machen, ihre eigene Würde sei unantastbar.
Die feinen Nuancen unserer Gefühle zu spüren und ebenso Worte zu finden, um diesen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, erzeugt Vertiefung und öffnet den Raum für Resonanz. Wir konnten Jens Flassbeck, Fachbuchautor und Psychotherapeut, für die Moderation unserer Veranstaltung engagieren. Im Anschluss an die Lesung sammelte er die emotionalen und assoziativen Eindrücke der ZuhörerInnen. Das Ergebnis dieser Sammlung bestand aus 26 spontan geäußerten Worten, die ich zu nachfolgendem Gedicht verwoben habe.
Nähe und Wärme, Orange und Tiefrot
Umgeben von rauem Wind
aufgewühlt
liege ich schlaflos
stattdessen
in meinen Nachtgedanken
Albträume
aufgestiegen
sind sie aus
verzweifelter Leere
in meinem Spiegelbild
Einsamkeit
gedehnte Zeit
als sei sie
die einzige Antwort
welches Echo
das hallt aus der Tiefe
hat mein Verlust?
Akzeptanz
notwendig
jedoch nicht hinreichend
Nähe zu anderen suchen
ihnen in die Augen schauen
neue Erfahrung
mitmenschliche Fülle
die erleuchtet
die Wärme spüren
und meinen Mut
was es wohl bedeutet
sich zu befreien
wachsen zu dürfen
resilient zu sein
wenn ich die Augen schließe
bunte Farben
und ich höre ein Wort
das ruft aus der Tiefe
Ankommen
Fühlen - alles.
Gemeinsame Lesung mit Jens Flassbeck in der Jugend- und Suchtberatung Ingelheim
Jenseits der Wand
Jens Flassbeck und ich haben in Kooperation mit den Kolleginnen Sandra Rösel und Lisa Scholles von der Jugend- und Suchtberatung Ingelheim dieses Jahr nachträglich durch eine Lesung zur Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien beigetragen, die vom 22.-28. Februar 2026 bundesweit stattfand (s.o.). Die Lesung fand am 17.April im Martin-Luther-Gemeindehaus, An der Burgkirche 15 in 55218 Ingelheim von 17:00 bis 19:00 Uhr statt
Ich las aus meinem autofiktionalen Roman »Jenseits der Wand« vor. Jens Flassbeck hat die Geschichte dahinter mittels eigener Texte aus einem noch unveröffentlichten Manuskript zur Selbsthilfe von erwachsenen Kindern aus Suchtfamilien unterstrichen. Ich erzählte emotionalisierend und er kommentierte vertiefend.
Besonders berührt hat mich die Aussage einer junger Frau: Dass es offenbar möglich sei, sich nach dem Tod des Alkoholikers befreit zu fühlen und dies ohne Schuldgefühle.
Eine andere Zuhörerin äußerte ihren Respekt vor dem Mut, das Schweigen zu brechen, wenn man von schweigenden Menschen umgeben ist. Dass meine Art zu lesen, als berührend empfunden wurde, hat mich in der Folge ebenso berührt
Ein Zitat aus »Jenseits der Wand«, welches den Abend wundervoll zusammenfasst:
Alles fließt ineinander, die Wand, die Scham, das Anderssein, mein Selbst, die zarten Risse meiner Haut, mein Schmerz, das warme Blut, meine Tränen, in den Raum, der mich umgibt, in das Mittendrin, das alle Ebenen vereint, das Oben und das Unten, Innen und Außen. Mein Zittern ist ein Beben, inmitten von Schuld und Unschuld, Gestern und Heute, gebrochene Erde, die sich mit Wasser füllt, weil der Himmel sich öffnet, tiefrot.